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Stadtgeschichte
Weißenhorn
Mitten
im fruchtbaren Tal der Roth liegt Weißenhorn (501 m.ü.M),
die älteste Stadt im Landkreis Neu-Ulm. Ihr hergebrachtes Wappen,
die drei silbernen
Jagdhörner in Rot (erstmals im Stadtsiegel an einer Urkunde
von 1328 bezeugt), ist sicher von dem
der ältesten Ortsherren, der Neuffen, abgeleitet.
Die Siedlung dieses Namens ist erstmals im beginnenden 13. Jahrhundert
genannt: ca. 1215 als "villa Wizenhorn" in einer Tradition
des Klosters Weißenau, um 1220 als "Wizzenhorn"
im ältesten Urbar des Klosters Einsiedeln. Eine frühe
alemannische Besiedlung der Stadtflur - wohl mit mehreren Einzelhofsiedlungen,
deren Namen nicht überliefert sind - ist sicher (Reihengräber
an der Günzburger Straße). Der offenbar nicht hier entstandene
Name Weißenhorn dürfte von den etwa seit der Mitte des
12. Jahrhunderts (bis Anfang des 13.Jh.) urkundlich erscheinenden
Herren von Weißenhorn (wohl stammesgleich mit den Herren von
Neuffen) etwa aus der Schwäbischen Alb auf den hiesigen Burgsitz
übertragen worden sein. Um diesen kristallisierte sich der
Kern der heutigen Stadt und übernahm offensichtlich dessen
Namen. Diese Burgsiedlung dürfte in der 2. Hälfte des
13. Jahrhunderts zur Stadt geworden sein, als sich ein Zweig der
Herren von Neuffen Weißenhorn zum dauernden Sitz erwählte.
In diese Zeit fällt wohl auch die Übertragung der Pfarrrechte
vom benachbarten Grafertshofen nach Weißenhorn,dessen Kirche
1301 seitens der Ortsherren durch Stiftung weiterer Altäre
und die Errichtung einer Frühmesse in ihrer Bedeutung gestärkt
wurde. 1328 vergaben die Neuffen ihr Kirchenlehen samt Zehentrecht
an Kloster Kaisheim, dem es 1332 (definitiv 1349) inkorporiert wurde.
Mit Berthold von Neuffen, Grafen von Marstetten, dem Ratgeber Kaiser
Ludwigs des Bayern, Reichsvikar in Italien und Reichsvogt zu Ulm,
erlosch das Geschlecht 1342 im Mannesstamm.
Durch die Erbtochter Anna gelangte Weißenhorn an die bayerischen
Herzöge, die es jedoch fast dauernd verpfändet hatten:
1356 - 69 an die Herzöge von Österreich (Unterverpfändung
an die Herren von Ellerbach), dann kurz an die Grafen von Werdenberg
und schließlich ab 1376 an die Herren von Rechberg.
Die schon zu dieser Zeit bestehenden Vorstädte entlang der
Günzburger Straße (Untere V.) und der Memminger Straße
(Obere V.) wurden nie in den Mauerring einbezogen, der die beiden
Viertel "Stadt größeren Orts" (westlich der
Hauptstraße) und "Stadt kleineren Orts"(östlich)
umgab. So wurde denn auch 1377 im Städtekrieg "alles das
vor der stat was" von den Ulmern geplündert und niedergebrannt.
Schon 1390 ist das städtische Kaufhaus genannt, zugleich Sitz
der sich allmählich entwickelnden Selbstverwaltung, die aber
erst von der Mitte des 15. Jahrhunderts an zur Ratsverfassung ausgebildet
wird.
Nach fast 100-jähriger Rechberg-Herrschaft löste Herzog
Ludwig von Bayern-Landshut 1473 die Pfandschaft ein und gab der
Stadt 1474 eine Kodifikation der hergebrachten Ordnung. Sein Sohn,
Herzog Georg der Reiche, richtet hier 1478 das abgegangene Landgericht
Marstetten wieder auf, das sich aber gegen den Widerstand der benachbarten
Gerichtsherrn nur mehr ein kanppes Jahrzehnt halten konnte. Georgs
Tod löste den Landshuter Erbfolgestreit aus; für seine
Schlichtungsbemühungen zog Kaiser Maximilian im Kölner
Schied 1505 den ganzen Herrschaftskomplex Kirchberg-Weißenhorn
an sich, übertrug ihn aber schon 1507 an den Augsburger Bürger
Jakob Fugger. Weißenhorn selbst blieb wegen seiner hergebrachten
und weiter bestätigten Privilegien letztlich eine vorderösterreichische
Landstadt, wenn auch die Fugger, die teilweise hier residierten,
mit wechselndem Erfolg herrschaftliche Rechte über die Stadt
beanspruchten.
Den 1434 durch Kaiser Sigismund verliehenen Blutbann übte die
Stadt wohl immer nur durch Kostenbeteiligungen an der herrschaftlichen
Gerichtsbarkeit aus. Seit Ende des 17. Jahrhunderts war ein ständiger
Scharfrichter und Wasenmeister am Ort.
Im 16. Jahrhundert erlebte Weißenhorn seine größte
wirtschaftliche Blüte durch die von den Fuggern kräftig
unterstützte Barchentweberei mit weitreichendem Handel (Schau
seit 1479). Infolge der religiösen Spaltung ging aber das Städtchen
bis zum Ende des Jahrhunderts seiner familiären Beziehung zu
den umliegenden, jetzt evangelischen Reichsstädten, insbesondere
Ulm, verlustig. Es blieb ihm damit beschieden, Mittelpunkt seiner
bäuerlichen Umgebung zu sein. Bedeutend war die Weißenhorner
Getreideschranne; (urkundlich) seit dem 14. Jahrhundert wird auch
nach Weißenhorner Maß gerechnet. Der Handelsstand bleib
nach kurzem Aufschwung geringfügig; das Handwerk, wozu auch
weithin die Umgebung eingezünftet war, blühte. Das künstlerische
Schaffen im Städtchen hatte überörtlichen Rang: die
Maler Bernhard Harder (Ende 15. Jh.) und seine Werkstattnachfolger,
die Rieder (16.Jh.) Johann Jakob (1681-1759) und Franz Martin Kuen
(1752 - 1831) sowie im 18. Jh. die Stukkatoren Eitele und die Bildhauer
Luidl.
Das
seit 1806 bayerische Städtchen war duch die Jahrhunderte kaum
größer geworden. Erst die Eröffnung der Nebenbahnlinie
Senden-Weißenhorn 1878 brachte eine mäßige bauliche
Entwicklung mit sich, die nach dem 2. Weltkrieg sprunghaft anstieg.
Großflächige Neusiedlungen am Rande der alten Stadt wachsen
immer weiter. Eine gewisse industrielle Entwicklung verlief in ähnlicher
Stufenfolge.
Die alte Stadtmauer mit ihren Türmen wurde im vergangenen Jahrhundert
Zug um Zug niedergerissen. Erhalten blieben das Obere und das Untere
Tor, eindrucksvolle Wehrbauten des 15. Jahrhunderts, an den beiden
Enden der geschwungenen Hauptstraße, die von giebelseitig
gestellten Häusern gesäumt ist. Nur das alte Kaufhaus,
die spätere Schranne (1584, 1777 und 1952 renoviert), dominiert
als traufseitig gestellter Fachwerkbau. Die alte Pfarrkiche stürzte
1859 ein; ein neuromanischer Bau (1864-69) steht an ihrer Stelle.
Das alte und das 1513/14 erbaute neue Schloß, letzteres mit
dekorativer Renaissancebemalung, sind Zeugen der herrschaftlichen
Vergangenheit.
Die Hl. Geist-Kirche steht noch als Rest des 1470 durch den Priester
Peter Arnold, Bürger zu Ulm, gestifteten Spitals (1837 abgebrochen).
Als Krankenhaus wurde es 1833/36 im Norden der Stadt unter Einbeziehung
der St. Leonhard-Kapelle beim alten, damals abgebrochenen Leprosenhaus
neu errichtet und 1954 durch einen großen Flügelbau erweitert,
derzeit wird eine umfassende Sanierung und Modernisierung abgeschlossen.
Verschiedene Stiftungen des 14. und 15. Jh. brachten eine Vermehrung
der geistlichen Pfründen. Eine starke evangelische Bewegung,
insbesondere unter den führenden Familien des Städtchens,
ist um die Mitte des 16. Jh. zu verzeichnen, wogegen zuvor und vom
17. Jh. an manche Würdenträger der kath. Kirche aus dem
Weißenhorner Bürgertum hervorging. Ein 1667 gegründetes
Kapuzinerkloster florierte bis 1806. Kirchensatz und Zehent der
Pfarrei kamen 1655 an die Stadt; zuvor besaßen ihn die Fugger,
die ihn 1539 von Kloster Kaisheim erworben hatten. - Die seit dem
19. Jh. bestehende evangelische Kirchengemeinde (Kirche 1900 erbaut)
wurde 1953 selbständige Pfarrei Staatsbehörden (Amtsgericht
1862 - 1969; Notariat seit 1862 - 1929; Forstamt seit 1931) gaben
der Stadt im späteren 19. Jahrhundert neue Mittelpunktsfunktionen.
Heute ist die wirtschaftlich aufstrebende Stadt im Rahmen der Landesplanung
als Mittelzentrum anerkannt. Zahlreiche, auch weiterführende
Schulen (insbes. das Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium, das Claretiner-Missionskolleg,
die Städtische Realschule und eine Landwirtschaftsschule) sowie
das 1908 begründete Heimatmuseum (von seltener Qualität)
weisen Weißenhorn weiterhin als kulturellen Mittelpunkt aus.
Im
Zuge der Gebietsreform sind neun selbständige Gemeinden nach
Weißenhorn eingegliedert worden (Ober- und Unterreichenbach,
Biberachzell und Asch, Bubenhausen, Emershofen, Oberhausen, Wallenhausen,
Attenhofen, Grafertshofen und Hegelhofen). Die Gesamteinwohnerzahl
beträgt derzeit rd. 12.880.
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